4. Dezember 2021

Livestream Service

Wie der Kulturbetrieb durch Livestreams an Bedeutung gewinnt

Der Kulturbetrieb hat es seit Jahren ein Problem, ihm laufen zunehmend die Besucher weg. Die Besucherforschung oder “Audience Development” ist ein Fachbereich, der sich diesem Thema annimmt und erforscht, wo sich Besucher befinden, wie sie sich verhalten und wie man sein Angebot an den Mann oder die Frau, bzw. das Kind bekommt. Lange wurde sich gegen die digitale Transformation gewährt, doch ausgerechnet die Gamingszene macht seit der Corona-Krise vor, wie auch Kulturbetriebe vom Medium Internet profitieren können.

So sträubt sich die Hochkultur gegen neue Vermittlungswege

Ausgerechnet das “böse Stiefkind” der Unterhaltungskultur, die Gamingszene zeigt, was unter vorgehaltener Hand schon seit einigen Jahren diskutiert wurde. Und dabei ist nicht nur der Begriff Gamifaction ein grundlegender Faktor. Nein, man beobachtet eine Transformation im Konsumentverhalten, besonders unter jungen Leute, welches Erfahrungsgemäß schon seit Pierre Bourdieu als unumstößlich in Bezug auf kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung galt: junge Menschen erreiche man (fast) gar nicht mit einem kulturellen Angebot.

Nun muss man zur Verteidigung sagen, dass es immer eine Frage ist, wie man die Begriffe “kulturelles Angebot” definiert. Schauen wir uns jedoch aktuelle Livestreams von Künstler*innen hochkultureller Angebote an, stellen wir fest, dass sich das Konsumverhalten aus dem offline-Bereich, online nicht wiederspiegelt.

Unter dem Strich steigt auch ohne die Pandemie 2020 schon seit 2017 merklich und systematisch der Anteil derer, die auf gängige lineare TV-Angebote verzichten und auf gleichwertig, hochwertige Angebote im Internet zurückgreifen. TV-Sender haben diese Entwicklung erkannt und erweitern Ihr Angebot auf das Internet. Auch soziale Plattform erkennen diesen Markt und schwenken zunehmend ebenfalls um.

Was kann der Kulturbetrieb daraus lernen?

Kulturbetriebe dürfen sich ruhig eingestehen, dass wir von einer starken Transformationswelle getragen werden und Strategien entwickeln, wie man das Medium Livestream durchaus auch aus wirtschaftlicher Perspektive anwenden kann und gleichzeitig den Anspruch der kulturellen Bildung erfüllen kann.

Aber auch der Aspekt der kulturellen Teilhabe und den Anspruch des “Kultur für Alle”-Gedankens, erhält durch die neue Technologie neuen Vorschub. Kulturvermittlung kann durch den digitalen Weg ganz neue Pfade einschlagen und ein Angebot für Menschen formulieren, die zuvor gar nicht im Rahmen des Kulturmarketings in den Fokus der Akteure gerieten. Und das steigende Interesse an digitalen Medien auch in betagten aber weniger mobilen Altersgruppen, ermöglicht zudem eine Besucherbindung und verstärkt den Teilhabegedanken.

Corona und die kreativen Lösungen

Wie so oft in Krisen, werden Menschen in diesen Situationen nahezu “gezwungen” umzudenken, die bereits angesprochenen neuen Pfade zu betreten, wenn sie ihr Lebenswerk fortführen möchten. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Kreativwirtschaft derzeit an verschiedenen Stellen genau diesen Weg geht. Noch zaghaft aber durchaus mit Vorbildcharakter. Denkbar sind z.B.:

  • 360° Vorstellungen
  • Livestream von Debatten & Panel-Talkrunden
  • Previews von Generalproben

Auch wenn sich viele Intendant*innen es selten öffentlich zugeben, auch das Geld spielt in der Kultur immer eine Rolle. Und längst bewegen wir uns nicht nur im linearen (also live) Bereich sondern sehen auch die Möglichkeit des Einsatzes von Aufzeichnungen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Egal ob nun live oder aufgezeichnet, das Medium Bewegtbild in Verbindung mit dem Internet, schafft neue Zugänge zur Kultur, Teilhabe und Bildung.

Ersatz? Mitnichten!

Kritische Stimmen schlagen spätestens jedoch hier Alarm. Die Aura der Kultur, kann kein digitales Medium (zumindest noch) nicht ersetzen. Und sie haben recht. Doch das wollen sie auch nicht. Aus der digitalen Bildung kennen wir den Grundsatz: Nie ersetzend, immer ergänzend. Geben wir den Menschen doch auch ein Stück Freiheit selbst zu entscheiden und gestehen wir Ihnen die Kompetenz eben jener Entscheidung zu, zu erkennen, wann eine digitale Reproduktion für den Moment reicht und wann die Aura einer kulturellen Darbietung bevorzugt wird. In jedem Fall fördern wir den Abbau von Zugangsschwierigkeiten, also Barrieren; seien sie räumlich, monetär oder physisch.

Mehr zum Thema

die.Verbreiter arbeiten eng mit Kulturbetrieben zusammen. Sie entwickeln Konzepte und Formate zur Förderung der kulturellen Teilhabe zielgruppenübergreifend. Dadurch werden Kulturbetriebe dabei unterstützt, wirtschaftlich sicherer und unabhängig in die Jahresplanung zu gehen.

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